Robin fordert von den Verantwortlichen im Gesundheitsassessorat und Sanitätsbetrieb die Einhaltung der Standards – sonst ist ein Austausch notwendig!
Willkommen in der Zwei-Klassen-Medizin
Die Wartezeiten für Facharztvisiten und diagnostische Leistungen im Südtiroler Sanitätsbetrieb (SABES) sind nach wie vor untragbar lang. Wer auf eine Leistung des Gesundheitsdienstes angewiesen ist, muss sich oft monatelang gedulden und riskiert eine Verschlimmerung des Zustands mit schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen. Doch gegen Bezahlung erhält man oft innerhalb weniger Tage einen Termin. Dies führt zur schleichenden Privatisierung und Benachteiligung derjenigen, die sich teure Privatvisiten nicht leisten können. Der Verbraucherschutzverein Robin fordert Konsequenzen: Entweder die Verantwortlichen sorgen für die Einhaltung der Betreuungsstandards, oder sie sind auszutauschen!
Lippenbekenntnisse reichen nicht mehr – Jetzt braucht es Taten!
Seit Jahren versprechen die Verantwortlichen des Gesundheitsassessorats und des Sanitätsbetriebs Verbesserungen bei den Wartezeiten. Doch eine Analyse der offiziellen Daten des Sanitätsbetriebs für 2024 zeigt: Die Situation hat sich kaum verbessert, in manchen Bereichen sogar verschlechtert. Besonders Landesrat Dr. Hubert Messner und Generaldirektor Dr. Christian Kofler stehen hier in der Pflicht, endlich effiziente Maßnahmen zu setzen.
Kurze Wartezeiten sind entscheidend für die Zufriedenheit der Patienten und ein wesentlicher Indikator für einen funktionierenden Gesundheitsbetrieb. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Der ministerielle Index, der den Prozentsatz der fristgerecht vergebenen Termine misst, zeigt alarmierende Defizite. Erfüllungsraten auch unter 50% bei den Erstvisiten und den diagnostisch-instrumentellen Leistungen sind leider auch zu finden. Und man sollte nicht vergessen: Ein Termin ist auch dann angemessen, wenn ein Oberpustertaler ins Vinschgau und umgekehrt fahren muss.
Schockierende Zahlen: monatelange Wartezeiten für Visiten beim Südtiroler Sanitätsbetrieb (Sabes)
Die neuesten Erhebungen von Sabes für 2024 bestätigen das Versagen:
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Dermatologische Erstvisite: bis 319 Tage durchschnittl. Wartezeit
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Gastroenterologische Erstvisite: bis 291 Tage durchschnittl. Wartezeit
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Urologische Erstvisite: bis 175 Tage durchschnittl. Wartezeit
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Endokrinologische Erstvisite: bis 155 Tage durchschnittl. Wartezeit
Diagnostische Leistungen:
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(Farb)Dopplerechographie Arterien untere Extremitäten: bis 306 Tage
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Koloskopie: bis 303 Tage
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(Farb)Dopplerechographie: bis 197 Tage
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CT des Oberbauchs: bis 188 Tage.
Besonders besorgniserregend: In der Prioritätskategorie B-Prioritär (maximale Wartezeit 10 Tage) werden in keinem Monat des Jahres in den Fachrichtungen Kardiologie, Dermatologie, Physiatrie, Endokrinologie, Gastroenterologie, Neurologie, HNO, Orthopädie und Urologie Termine im Durchschnitt fristgerecht vergeben.
Intramoenia und Rückvergütungssystem: Eine Farce!
Anstatt das Problem an der Wurzel zu lösen, wurden Systeme wie Intramoenia (Privatvisiten innerhalb des öffentlichen Sanitätsbetriebs), das Rückvergütungssystem und Visiten bei konventionierten Strukturen eingeführt. Doch diese Maßnahmen haben kaum Wirkung gezeigt. Wer sich eine Privatvisite außerhalb des Sanitätsbetriebs leistet, erhält zwar 50 Euro erstattet, doch angesichts der hohen Kosten einer solchen Visite bleibt das für viele Bürger unerschwinglich. Diese Politik treibt die Zweiklassenmedizin weiter voran.
Forderung von Robin: Konsequenzen jetzt!
Ein funktionierender Sanitätsbetrieb sollte es sich nicht leisten, solche schlechten Leistungen über Jahre hinweg zu erbringen. Der Verbraucherschutzverein Robin fordert:
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Einhaltung der gesetzlichen Wartezeiten in allen Fachbereichen
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Transparente Berichterstattung über die Fortschritte oder Rückschläge der Wartezeitverkürzung
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Verantwortung übernehmen: Wenn sich nichts ändert, sind die Verantwortlichen auszutauschen
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Abschaffung der Intramoenia-Praxis, wenigstens in den kritischen Bereichen, um eine echte Chancengleichheit für alle Patienten zu gewährleisten und entsprechende Schwerpunktsetzung für die Aufarbeitung der Schwachstellen.
Kommentar des Geschäftsführers von Robin:
„Die beste Medizin gegen lange Wartenzeiten ist die Vorbeugung. Doch die Krankmacher haben eine mächtige Lobby. Es kann nicht sein, dass Patienten monatelang auf notwendige Untersuchungen warten müssen, während jene mit prall gefülltem Geldbeutel bevorzugt werden. Hier liegt ein planvolles, systematisches Organisationsversagen vor. Es liegt allein darin begründet, dass man gerne vom Geld der Bürger lebt, aber deren Rechte nicht so genau nimmt. Die Politik hat hier versagt.“ – Walther Andreaus, ehrenamtlicher Geschäftsführer von Robin.
Diese Zahlen sind eine Bankrotterklärung für das System. Der Verbraucherschutzverein Robin bleibt dran und wird Druck auf die Politik und die Gesundheitsverwaltung ausüben. Südtirols Patienten verdienen eine funktionierende Gesundheitsversorgung – und keine leeren Versprechen!
Anlage: Auswertung einiger Wartezeiten (Quelle: Südtiroler Sanitätsbetrieb)
Tabelle Einhaltung der Garantiezeiten