ASTAT-Vergleich zeigt große Unterschiede bei Trinkwasser und Abwasser: 272 Euro im günstigsten gegenüber 746 Euro im teuersten Gemeindebeispiel. Robin fordert keine Schuldzuweisungen, sondern nachvollziehbare Kosten und mehr Transparenz.

Wasser und Abwasser gehören zur grundlegenden öffentlichen Daseinsvorsorge. Jeder Haushalt braucht sie, und anders als bei vielen anderen Dienstleistungen können Verbraucher ihren Anbieter nicht einfach wechseln. Umso wichtiger ist es, dass die Bürgerinnen und Bürger nachvollziehen können, wie sich die dafür verlangten Gebühren zusammensetzen.
Ein aktueller Blick auf die offiziellen Vergleichsdaten des Landesstatistikinstituts ASTAT zeigt dabei einen bemerkenswerten Unterschied: Für einen standardisierten Vier-Personen-Haushalt reichen die jährlichen Kosten für Trinkwasser und Abwasser – nach der von ASTAT verwendeten Vergleichsmethode – von 272 Euro in Proveis bis 745,80 Euro in Truden im Naturpark.
Das bedeutet: Die teuerste Gemeinde liegt um 473,80 Euro beziehungsweise 174 Prozent über der günstigsten. Anders ausgedrückt: Wer in Proveis als Vergleichshaushalt 100 Euro bezahlt, liegt beim entsprechenden ASTAT-Vergleich in Truden bei 274 Euro.
Die fünf günstigsten und fünf teuersten Gemeinden
ASTAT verwendet für den Vergleich einen standardisierten Haushalt mit vier Personen, einem jährlichen Trinkwasserverbrauch und Abwasser von jeweils 200 Kubikmetern. Dadurch lassen sich die Gemeindetarife vergleichbar darstellen.
|
Rang |
Gemeinde |
Trinkwasser |
Abwasser |
Gesamt/Jahr |
Index |
|---|---|---|---|---|---|
|
🟢 1 |
Proveis |
92,00 € |
180,00 € |
272,00 € |
100 |
|
🟢 2 |
Laurein |
83,60 € |
209,00 € |
292,60 € |
108 |
|
🟢 3 |
Nals |
91,61 € |
213,40 € |
305,01 € |
112 |
|
🟢 4 |
Plaus |
70,40 € |
242,00 € |
312,40 € |
115 |
|
🟢 5 |
Taufers im Münstertal |
63,62 € |
257,40 € |
321,02 € |
118 |
|
|
|
|
|
|
|
|
🔴 1 |
Truden im Naturpark |
349,80 € |
396,00 € |
745,80 € |
274 |
|
🔴 2 |
Welsberg-Taisten |
246,40 € |
462,00 € |
708,40 € |
260 |
|
🔴 3 |
Moos in Passeier |
286,00 € |
396,60 € |
682,60 € |
251 |
|
🔴 4 |
Mölten |
244,00 € |
418,00 € |
662,00 € |
243 |
|
🔴 5 |
Tramin an der Weinstraße |
225,54 € |
426,34 € |
651,88 € |
240 |
Quelle: ASTAT, Gemeindetarife 2025, standardisiertes Vergleichsbeispiel A; Index: günstigste Gemeinde = 100.
Die Tabelle zeigt allerdings nicht, dass die teuersten Gemeinden automatisch „zu teuer“ oder die günstigsten automatisch besonders effizient wären. Die Kosten für Wassergewinnung, Leitungsnetze, Kanalisation, Kläranlagen, Topografie, Siedlungsstruktur und notwendige Investitionen können sich erheblich unterscheiden.
Genau deshalb ist Transparenz so wichtig.
Nicht die Gemeinde an den Pranger stellen – sondern die Unterschiede erklären
Robin will ausdrücklich keine Gemeinde an den Pranger stellen. Ein höherer Tarif ist nicht automatisch ungerechtfertigt. Eine Gemeinde mit weit verstreuten Siedlungen, schwieriger Topografie oder hohen Investitionskosten kann andere Kosten haben als eine Gemeinde mit günstigen natürlichen Voraussetzungen und einer kompakten Siedlungsstruktur.
Aber ein Unterschied von 174 Prozent ist aus Sicht des Verbraucherschutzes groß genug, um Fragen zu stellen.
Wie setzen sich die Gebühren tatsächlich zusammen?
Wie hoch sind die laufenden Betriebs- und Personalkosten? Welche Investitionen müssen finanziert werden? Wie hoch sind die Kosten für Kanalisation und Klärung? Welcher Anteil wird über Gebühren gedeckt und welcher aus dem Gemeindehaushalt beziehungsweise anderen öffentlichen Mitteln finanziert?
Und vor allem: Sind diese Informationen für die Bürgerinnen und Bürger leicht und verständlich zugänglich?
Vertrauen entsteht durch nachvollziehbare Zahlen
„Wir wollen keine Gemeinde an den Pranger stellen“, erklärt Walther Andreaus, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Verbraucherschutzvereins Robin. „Wasser und Abwasser haben ihren Preis, und unterschiedliche geografische und infrastrukturelle Bedingungen können unterschiedliche Kosten verursachen. Aber gerade bei Leistungen der öffentlichen Daseinsvorsorge schafft Transparenz Vertrauen.“
Andreaus weiter:
„Nicht jeder höhere Tarif ist automatisch ungerechtfertigt. Aber jeder erhebliche Preisunterschied verdient eine nachvollziehbare Erklärung. Transparenz ist kein Angriff auf die Gemeinden – sie ist ein Instrument, um Vertrauen aufzubauen.“
Für Robin geht es deshalb nicht darum, einzelne Gemeinden als „teuer“ oder „billig“ zu bewerten. Vielmehr sollte für die Bürger nachvollziehbar sein, warum Wasser und Abwasser in ihrer Gemeinde so viel kosten und wie sich dieser Preis zusammensetzt.
Robin fordert landesweiten Kosten- und Transparenzvergleich
Robin regt deshalb an, die bereits vorhandenen ASTAT-Vergleiche weiterzuentwickeln. Neben dem Endpreis sollten – soweit möglich – auch die zugrunde liegenden Kostenstrukturen vergleichbar dargestellt werden:
-
Kosten für Trinkwassergewinnung und -versorgung,
-
Kosten für Kanalisation und Abwasserreinigung,
-
laufende Betriebs- und Personalkosten,
-
notwendige Investitionen und Abschreibungen,
-
Finanzierung durch Gebühren,
-
Finanzierung aus Gemeinde- oder Landeshaushalten,
-
sowie – wo relevant – die Belastung der Infrastruktur durch Tourismus und Zweitwohnungen.
Damit könnten Bürgerinnen und Bürger nicht nur sehen, was sie bezahlen, sondern auch warum.
„Die Gemeinden verfügen heute über zahlreiche Möglichkeiten und digitale Instrumente, um ihre Bürgerinnen und Bürger über Gebühren und deren Verwendung zu informieren“, so Andreaus. „Diese Möglichkeiten sollten genutzt werden. Gute Transparenz kostet weniger als verlorenes Vertrauen.“
Robin: Nicht weniger Transparenz, sondern mehr Erklärung
Die ASTAT-Zahlen liefern bereits eine wertvolle Grundlage für einen objektiven Vergleich. Sie zeigen aber auch, dass die Diskussion nicht bei der Feststellung „Gemeinde A ist teurer als Gemeinde B“ enden sollte.
Robin will deshalb wissen: Was steckt hinter den 174 Prozent Unterschied?
Der Verbraucherschutzverein regt an, dass die Gemeinden ihre Wasser- und Abwasserkosten in einer für Bürger leicht verständlichen Form offenlegen und erklären. Gerade bei einer so grundlegenden öffentlichen Leistung sollte gelten:
Wer Gebühren verlangt, sollte auch transparent erklären, wie sie zustande kommen.