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Wasser und Wasserkraft: Südtirol braucht eine gemeinsame Regulierungsbehörde

01. Sep 2026

Keine neuen Speicherbecken auf Verdacht: Erst ein verbindlicher Wasser- und Bewirtschaftungsplan, dann Investitionen

Im Sommer folgt eine Wetter-Alarmmeldung auf die nächste – ob zu Recht oder nicht, kann diskutiert werden. Trockenheit, Wasserknappheit und hohe Temperaturen bestimmen zunehmend die öffentliche Debatte. Auch in Südtirol wurde zuletzt der Wassernotstand zum politischen Thema – und damit verschärft sich der Wettbewerb um die Ressource Wasser.

Doch wie belastbar sind manche der derzeit kursierenden Zahlen überhaupt? Und was sagen sie tatsächlich über die langfristige Verfügbarkeit des Wassers aus?

Der Verbrauch des Landes wird häufig mit mehreren hundert Millionen Kubikmetern jährlich angegeben. Auch für die Speicherkapazität der Südtiroler Stauseen werden Größenordnungen von rund 300 Millionen Kubikmetern genannt. Diese Angaben sind als Größenordnung interessant, können aber nicht ohne Weiteres zu der Aussage verdichtet werden, Südtirol verfüge damit über „fast einen Jahresverbrauch“ an gespeicherten Wasserreserven. Dafür fehlen derzeit eine einheitliche, öffentlich nachvollziehbare Bilanzierung aller Entnahmen, Rückflüsse, Speicherstände und unterschiedlichen Nutzungen. Gerade deshalb braucht Südtirol einen verbindlichen Wasserbewirtschaftungsplan.

Wasser darf nicht nach Einzelinteressen verteilt werden

Der Wassernutzungsplan des Landes erkennt selbst an, dass die Konflikte zwischen Trinkwasser, Landwirtschaft, Wasserkraft und anderen Nutzungen zunehmen können. Das Problem wird sich mit Klimaveränderungen und zunehmenden Nutzungskonkurrenzen weiter verschärfen.

Für den Verbraucherschutzverein Robin ist deshalb klar: Wasser ist ein Gemeingut und muss transparent, nachvollziehbar und am Gemeinwohl orientiert bewirtschaftet werden.

Dazu gehört eine vollständige Erfassung der Wasserentnahmen und Wasserverluste. Was nicht gemessen wird, kann nicht wirksam gesteuert werden. Landwirtschaft, Industrie, Tourismus und öffentliche Wasserversorgung müssen ihren Verbrauch nachvollziehbar erfassen und effizient gestalten. Gleichzeitig müssen Grundbedarf und besonders sensible Nutzungen gesichert bleiben.

Das nationale Regelwerk zur Wasserbewirtschaftung verfolgt ausdrücklich einen integrierten Ansatz: Die unterschiedlichen Nutzungen, der quantitative und qualitative Schutz der Ressource sowie die Auswirkungen des Klimawandels sollen gemeinsam betrachtet werden. Für die zivile Wasserversorgung gilt dabei ein besonderer Schutz.

Wasser und Strom gehören in Südtirol zusammen

In Südtirol ist Wasser nicht nur Trinkwasser und Grundlage für Ökosysteme, Landwirtschaft und Tourismus sondern zugleich der zentrale Rohstoff der Wasserkraft. Damit wird die Wasserfrage unmittelbar zur Stromfrage.

Wer über Stromautonomie spricht, muss deshalb auch darüber sprechen, wem das Wasser gehört, wer darüber entscheidet, wofür es eingesetzt wird und welchen Nutzen die Bevölkerung daraus zieht.

Genau hier setzt die Forderung des Verbraucherschutzvereins Robin nach einer eigenen Südtiroler Regulierungsbehörde an. Sie sollte Wasser und Strom gemeinsam betrachten und unabhängig von Einzelinteressen Regeln für Tarife, Nutzung, Investitionen, Versorgungssicherheit, Effizienz und Gemeinwohl festlegen.

Das Vorbild existiert bereits auf nationaler Ebene: ARERA ist sowohl für die Regulierung der Elektrizität als auch für die Regulierung und Kontrolle der Wasserdienstleistungen zuständig.

Keine neuen Speicherbecken ohne Gemeinnützigkeit und Kosten-Nutzen-Nachweis

Robin wendet sich gegen einen reflexartigen Ruf nach immer neuen Speicherbecken. Bevor neue Großprojekte geplant und Landschaften weiter verändert werden, muss eine belastbare Wasserbilanz vorliegen. Erst danach kann entschieden werden, ob zusätzliche Speicher überhaupt notwendig sind. Neue Speicherbecken dürfen aus Sicht von Robin nur dort zugelassen werden, wo ihre Gemeinnützigkeit und ihre Kostenvorteilhaftigkeit nachgewiesen sind.

Vorrang müssen zunächst Maßnahmen haben, die vorhandene Ressourcen besser nutzen: die Sanierung undichter Leitungen und Bewässerungssysteme, die Speicherung und Nutzung von Regenwasser, die Grundwasseranreicherung, die Wiederverwendung von Wasser sowie die Mehrfachnutzung geeigneter Brauchwasserströme.

Die Landespolitik braucht einen unabhängigen Schiedsrichter“

Der Geschäftsführer des Verbraucherschutzvereins Robin, Walther Andreaus, meint: „Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass die Landespolitik immer weniger in der Lage ist, die stärker werdenden Zielkonflikte zwischen Strom, Wasser, Landwirtschaft, Wirtschaft, Umwelt und Bevölkerung ausgleichend im Sinne des Gemeinwesens zu lösen. Deshalb brauchen wir eine unabhängige Regulierungsbehörde für die beiden für Südtirol strategisch wichtigsten Ressourcen: Wasser und Strom. Nur so können die Interessen der Bevölkerung gegenüber Einzelinteressen ausreichend zum Tragen kommen. Darüber hinaus muss für jede Nutzung des Gemeingutes Wasser, die über einen angemessenen Grundbedarf hinausgeht, das Prinzip der Kostenwahrheit gelten. Wasser darf nicht länger praktisch zum Nulltarif vergeben werden.“

Für Robin geht es nicht um Verzicht, sondern um Ordnung, Transparenz und Verantwortung. Wasser muss als Gemeingut nach klaren Prioritäten bewirtschaftet werden. Weil in Südtirol Wasser und Wasserkraft eng miteinander verbunden sind, braucht es dafür eine integrierte Regulierung.

Südtirol braucht deshalb nicht zuerst neue Betonbecken, sondern einen belastbaren Wasserplan, eine transparente Wasserbilanz und eine unabhängige Regulierungsbehörde für Wasser und Strom.