Arera bestätigt, was Robin seit Jahren sagt: Haushalte +13 %, Betriebe +24 % über EU-Schnitt. Der Landtag hätte gegensteuern können – und hat stattdessen abgewinkt

Was der Verbraucherschutzverein Robin und Eurostat seit Jahren, ja seit Jahrzehnten dokumentieren, hat nun auch die italienische Strom- und Gasaufsichtsbehörde Arera selbst schwarz auf weiß bestätigt: Italien zahlt die höchsten Strompreise Europas. Repubblica.it berichtete am 1. Juli 2026 unter Berufung auf den Arera-Jahresbericht 2025 über das Ausmaß dieser Belastung – just an dem Tag, an dem in Bozen die Landtagsmehrheit einen Antrag auf eine eigene Südtiroler Energiebehörde zu Fall brachte. Für Robin ist das kein Zufall, sondern die Bestätigung einer über Jahre kritisierten Entwicklung, die der Verein in seinem Dossier „Südtiroler Strommarkt und Preise" (www.robinreport.it) laufend dokumentiert.
Die Zahlen, die zählen – nicht die, mit denen sich Arera schmückt
Robin verweist ausdrücklich auf jene Kennzahlen aus dem Arera-Bericht, die die reale Belastung der Verbraucher und Betriebe zeigen – nicht auf jene Werbezahlen, mit denen sich die Behörde für ihre Sozialboni oder die neue „Energie-Kassenzettel"-Initiative selbst lobt:
-
+13 %: So viel teurer ist Strom für italienische Haushalte im Vergleich zum Durchschnitt der Eurozone.
-
+24,1 %: Bei den Betrieben ist der Abstand zum EU-Schnitt noch dramatischer. Für Unternehmen ist Strom in Italien fast ein Viertel teurer als im europäischen Durchschnitt.
-
+7 %: Auch Haushaltsgas kostet in Italien deutlich mehr als im Euroraum-Schnitt.
-
115,9 Euro/MWh: Der durchschnittliche Großhandelspreis (PUN) lag 2025 so hoch wie an keiner anderen großen europäischen Strombörse – weit über den Werten Frankreichs oder Spaniens.
-
Rund 80 % der privaten Stromkunden befinden sich mittlerweile außerhalb des geschützten „maggior tutela"-Marktes – also im freien Markt, wo laut Arera oft nicht die beste, sondern die bekannteste Marke gewählt wird.
-
Beim Gas zahlen Haushalte im freien Markt 112,4 Cent/m³, gegenüber 93,5 Cent/m³ für vulnerable Kunden im geschützten Markt – ein Unterschied von fast 20 %.
Diese Zahlen bestätigen exakt das, was Robin bereits in seinen früheren Medieninformationen aufgezeigt hat: von den Warnungen vor der Preiswelle im März 2026 über die Analyse zu Fix- und PUN-Tarifen im Februar bis zur Dokumentation des Preisanstiegs von 22,2 % für schutzbedürftige Haushalte im November 2025.
Auch Südtirol trägt die volle Last der italienischen Höchstpreise
Diese hohen Strompreise gelten unverändert auch für Südtirol. Obwohl das Land dank seiner Wasserkraft mehr Strom produziert, als es selbst verbraucht, sind Südtirols Haushalte und Betriebe vollständig in das nationale System eingebunden und zahlen dieselbe Preislast wie der Rest Italiens – Strompreise, die sich am teuersten verfügbaren Kraftwerk orientieren, in Italien meist ein Gaskraftwerk. Südtirol zahlt damit faktisch Gaspreise für Strom aus der eigenen Wasserkraft.
Landtag betoniert Höchstpreise: Antrag auf eigene Energiebehörde abgelehnt
Ausgerechnet in diesen Tagen hat die Südtiroler Landtagsmehrheit einen Beschlussantrag zur Einrichtung einer eigenen Südtiroler Energiebehörde und einer eigenen Strom-Gebotszone abgelehnt. Damit wurde die Möglichkeit, die lokale Wasserkraft im Interesse der Südtiroler Bevölkerung zu regulieren und den Strompreis vom nationalen Gaspreis zu entkoppeln, erneut vertan. Für Robin ist diese Entscheidung ein weiterer Baustein, der die hohen italienischen Strompreise für Südtirol zementiert – während andernorts in Europa Regionen mit eigener Erzeugungsstruktur ihre Vorteile an die Bevölkerung weitergeben können.
Konsumentenferne Aufsichtsbehörde als zusätzliche Last
Neben dem strukturellen Südtirol-Stromrucksack kommt für die Stromabnehmer ein weiteres Problem hinzu: die Konsumentenferne der italienischen Regulierungsbehörde Arera selbst. Der neue Arera-Präsident Nicola Dell'Acqua räumt im eigenen Jahresbericht ein, dass viele Familien im freien Markt nicht die beste Offerte, sondern schlicht die bekannteste Marke wählen. Robin sieht darin die Bestätigung eines seit Jahren kritisierten Missstands: mangelnde, verständliche Information verleitet Konsumenten systematisch zu teuren Tarifmodellen, während die Aufsichtsbehörde selbst zu weit von der Lebensrealität der Verbraucher entfernt agiert, um wirksam gegenzusteuern.
Die Forderungen von VSV Robin
Robin erneuert und bekräftigt angesichts dieser Entwicklungen seine Forderungen:
-
Stromautonomie tatsächlich nutzen: Die lokalen Wasserkraftressourcen müssen konsequent für stabile, günstigere Strompreise für Südtirols Haushalte und Betriebe eingesetzt werden – nicht nur diskutiert.
-
Entkopplung des Strompreises vom Gas: Langfristige Stromlieferverträge und der Ausbau erneuerbarer Energien müssen genutzt werden, um Südtirol aus der Geiselhaft internationaler Gaspreisschocks zu befreien.
-
Eine echte Debatte über eine eigene Regulierung statt vorschneller Ablehnung: Die Chance, die Vorteile der heimischen Wasserkraft über eine eigene Behörde oder Gebotszone an die Bevölkerung weiterzugeben, darf nicht ohne ernsthafte Prüfung verspielt werden.
-
Mehr Transparenz und verständliche Verbraucherinformation: Sowohl auf nationaler als auch auf lokaler Ebene braucht es klare, vergleichbare Information, damit Konsumenten nicht länger zu teuren Tarifen verleitet werden.
-
Gemeingut Wasser/Strom der Allgemeinheit zugutekommen lassen: Die Vorteile der Wasserkraft müssen den Südtiroler Haushalten und Betrieben direkt nutzbar gemacht werden, statt in privatrechtlichen Strukturen zu verbleiben.
Stimme aus dem Verein
Der ehrenamtliche Geschäftsführer von VSV Robin, Walther Andreaus, findet dazu deutliche Worte: „Es ist beschämend, dass im eigenen Land die Regierungsmehrheit die Vorteile des Gemeingutes Wasser bzw. Strom aus Wasserkraft in privatrechtliche Stromgesellschaften überführt, statt sie der Allgemeinheit – wie es bei Gemeingütern eigentlich vorgesehen wäre – nutzbar zu machen. So müssen die Menschen in Südtirol weiterhin teuren Gasstrom bezahlen, obwohl das Wasser vor der eigenen Haustür fließt. Und die hohen Stromrechnungen der Betriebe dürfen letztendlich auch die VerbraucherInnen über höhere Preise der Waren und Dienstleistungen bezahlen."
______________________________________________________________________________________________________________________________________________________
Weitere Informationen und alle bisherigen Medieninformationen zum Thema im Dossier „Südtiroler Strommarkt und Preise": www.robinreport.it/dossier/suedtiroler-strommarkt-und-preise
(Quelle Arera-Zahlen: Diego Longhin, „In Italia prezzi dell'elettricità più cari d'Europa": l'allarme dell'Arera, Repubblica.it, 1. Juli 2026)